Leistung

Macht Schule Krank?

In der Schule des 21. Jahrhunderts dominiert immer noch Konkurrenz statt Kooperation, Angst statt Freude. Psychische Erkrankungen nehmen zu: Inzwischen leidet jedes vierte Schulkind (+ Dunkelziffer) unter psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen. Vor allem Mädchen sind betroffen, die vermeintlich gut funktionieren, was die Frage aufwirft – Macht Schule krank?

Manchen wird eine Zukunft vermittelt, in der auf den ersten Blick alles möglich zu sein scheint. „Ihr könnt durch die Welt reisen, jedes Studium, jeden Job machen, den ihr wollt!“ So entsteht ein Überfluss an Möglichkeiten, der viele überfordert und verzweifeln lässt. Denn wenn alles möglich ist, wird auch mehr erwartet. Während die einen sich vor Konkurrenz und Leistungsdruck kaum retten können, merken andere resigniert: „Egal wie sehr ich mich anstrenge, ich werde es eh nicht schaffen“.

Beides sorgt für Depression, Burnout und andere Leid(en)sformen schon der Jüngsten unserer Gesellschaft (Quelle: Burnoutraten im Grundschulalter nehmen zu). Ein enormer Leistungsdruck entsteht, der häufig nicht nur von Autoritäten wie Lehrkräften, Dozierenden oder Vorgesetzten kommt, sondern auch von den Eltern. Dadurch haben Jugendliche heute wenig Zeit und Raum, sich auszuprobieren und eigene Fragen zu stellen. So wird ein Denken gefördert, das die eigene Leistung nach äußeren Maßstäben ausrichtet anstatt nach dem eigenen Interesse.

Leistung = Arbeit pro Zeit?

Dabei ist Leistung eigentlich etwas gutes, etwas das einen Wert hat oder schafft. Ohne Leistung würden keine gesellschaftlichen, gedanklichen oder technischen Probleme gelöst, keine musikalischen, poetischen oder malerischen Kunstwerke geschaffen, keine großen und kleinen Wunder vollbracht. Besondere wie alltägliche Leistung birgt auch Anerkennung, ein Grundbedürfnis, das wir mit sinnvoller Arbeit verknüpfen (können). Dabei geht es nicht nur um klassische Leistungsfelder, die in den Schulfächern gefordert werden sondern auch um soziale Fähigkeiten – Konflikte lösen, für andere einstehen, sich engagieren. Deshalb finden wir: was eine Leistung ist, ist nicht immer objektiv messbar.

Um das systemisch erzeugte Leiden zu reduzieren, braucht es aber nicht nur eine andere Beziehung zu Leistung, sondern auch Strukturen, die sicher stellen, dass tatsächlich alle in unserer Gesellschaft einen Weg finden, der ihnen entspricht. Nach beidem sind wir auf der Suche und folgen dabei dem Motto der eudec: Changing Education – Changing Society.